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Bauweise

Die Gruppe Bauweise entscheidet, wie die vier Korpuswände an den Ecken zusammenstoßen und was den Korpus oben schließt. Das ist die wichtigste konstruktive Grundsatzentscheidung — sie bestimmt Optik, Stabilität und welche Verbindungstechnik überhaupt sinnvoll ist.

Inspektor-Gruppe „Bauweise"
Inspektor-Gruppe „Bauweise"

Konstruktion

Wer läuft an der Ecke durch, wer stößt dazwischen?

Durchgehende Seiten

  • Was es macht: Die Seitenwände laufen über die volle Höhe; Boden und Deckel sitzen zwischen den Seiten.
  • Wann man es nutzt: Der Klassiker im Korpusmöbelbau — Standardeinstellung. Die Last steht auf den durchgehenden Seiten.
  • Vor- & Nachteile: Sehr verbreitet, einfach zu verbinden (Dübel/Domino/ Schraube von der Seite in die Stirn von Boden/Deckel). Sichtbar sind oben und unten die Seitenkanten.

Durchgehender Boden/Deckel

  • Was es macht: Boden und Deckel laufen über die volle Breite; die Seiten sitzen dazwischen.
  • Wann man es nutzt: Wenn die Deckfläche optisch durchlaufen soll (z. B. freistehende Möbel, sichtbare Oberseite) oder die Last auf dem Boden steht.
  • Vor- & Nachteile: Schöne durchgehende Ober-/Unterkante; dafür sind seitlich die Stirnkanten von Boden/Deckel sichtbar.

Fingerzinken (Ecken)

  • Was es macht: Interlocking Fingerzinken an allen vier Ecken: Seiten und Boden/Deckel laufen voll durch und „kämmen" ineinander.
  • Wann man es nutzt: Sichtbare, mechanisch sehr feste Eckverbindung; klassisch für Massivholz-Korpusse, Werkzeugkisten, hochwertige Schubkästen.
  • Vor- & Nachteile: Große Leimfläche → sehr stabil und dekorativ. Erfordert präzise Fertigung (Zinkenschablone/CNC). Die Fingerbreite ist hier ein fester Raster über den ganzen Korpus.

Schwalbenschwanz (offen)

  • Was es macht: Durchgehende (offene) Schwalbenschwanzzinken an den Ecken (Seiten = Schwalben/Tails, Boden/Deckel = Zinken/Pins). Gleiche Vollplatten- Anordnung wie Fingerzinken, aber die Zellen verjüngen sich um den Winkel.
  • Wann man es nutzt: Die Königsdisziplin der sichtbaren Eckverbindung — zugfest in einer Richtung (kann ohne Leim nicht auseinandergezogen werden).
  • Vor- & Nachteile: Höchste Festigkeit und Wertanmutung, sichtbar auf beiden Außenflächen. Der Zinkenwinkel ist einstellbar (Router-Bit-Konvention).

Schwalbenschwanz (halbverdeckt)

  • Was es macht: Halbverdeckte Schwalbenschwänze: Auf den Außenflächen von Boden/Deckel ist die Verbindung verdeckt (blinde Taschen + ein Anriss/Lap); die Schwalben der Seite werden entsprechend gekürzt.
  • Wann man es nutzt: Der typische Schubkasten-Frontverbund (Front ohne sichtbare Zinken) und Korpusse, bei denen vorne keine Zinken zu sehen sein sollen.
  • Vor- & Nachteile: Edle, „versteckte" Verbindung — auf einer Seite glatt. Aufwändiger zu fertigen. Hinweis: Mit Traversen statt Deckel gibt es keine Deckplatte zum Verdecken, daher bleibt die Seite oben hier voll stehen.

Wichtig zu Verzinkungen: Sind die Ecken verzinkt (Fingerzinken/ Schwalbenschwanz), sind sie geometrisch „gekämmt" und brauchen keine separate Verbindungsart mehr. Die Verbindungsart-Auswahl gilt dann nur noch für Traversen und eine eventuelle Mittelseite — die App blendet einen entsprechenden Hinweis ein oder die Gruppe ganz aus.

Fingerbreite / Zinkenwinkel

  • Fingerbreite (6–60 mm): das Raster der Finger/Zinken bei verzinkten Ecken. Erscheint nur bei box-joint/dovetail/halfblind. Ein fester Raster sorgt dafür, dass alle vier Ecken gleich aussehen (Teilzellen fallen an die Enden).
  • Zinkenwinkel (5–20°, Standard 8°): nur bei Schwalbenschwanz. Gemessen wie ein Schwalbenschwanz-Fräser verkauft wird; ~8° ist ein guter Allrounder, 7°/7,5° für Hartholz (≈1:8), 14° für die großen Fräser.

Oberboden

Was schließt den Korpus oben?

Volle Platte (Deckel)

  • Was es macht: Ein vollflächiger Deckel (Standard).
  • Wann man es nutzt: Überall, wo oben eine geschlossene Fläche gebraucht wird (Oberschränke, Sichtflächen, aussteifender Deckel).
  • Vor- & Nachteile: Maximal steif gegen Verwinden, geschlossene Optik; braucht aber die volle Plattenfläche.

Traversen liegend (vorne + hinten)

  • Was es macht: Zwei flach liegende Rahmenhölzer (Traversen) vorne und hinten, bündig mit der Oberkante.
  • Wann man es nutzt: Unterschränke unter einer Arbeitsplatte — die Platte braucht keinen Deckel, nur eine Befestigungsfläche.
  • Vor- & Nachteile: Spart Material und Gewicht, gibt eine Schraubfläche für die Arbeitsplatte. Oben offen (kein Staubschutz). Die Traversenbreite ist die Tiefe jeder liegenden Leiste.

Traversen stehend (vorne + hinten)

  • Was es macht: Zwei hochkant stehende Traversen vorne und hinten.
  • Wann man es nutzt: Breite Korpusse, die gegen Verwinden (Racking) ausgesteift werden sollen.
  • Vor- & Nachteile: Deutlich steifer als liegende Traversen bei gleichem Materialeinsatz. Aber: Eine stehende vordere Traverse ragt in die Frontöffnung (um Traversenbreite − Materialstärke) — Schubladen, Türen und Einlegeböden müssen darunter bleiben. Die App berücksichtigt diese Verengung automatisch bei den Schubladenhöhen.

Traversenbreite

Erscheint, sobald nicht „Volle Platte" gewählt ist (40–200 mm). Bei liegenden Traversen = Tiefe der Leiste, bei stehenden Traversen = ihre Höhe (und damit das Maß, um das die vordere Traverse in die Öffnung hängt).


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